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Warum Windräder stillstehen, wenn der Wind weht

Zwei Windräder auf einem Feld, auf das der Schatten eines weiteren Windrades fällt

Viele haben es sicherlich schon einmal beobachtet, wenn sie über Land fahren: der Wind weht stark, doch manche Windräder stehen trotzdem still und erzeugen somit keine erneuerbare Energie.  Das wirft bei vielen Menschen Fragen zu den Hintergründen auf.

Manchmal kann es sein, dass die Windräder defekt sind oder gewartet werden und daher nicht in Betrieb sind. Ein anderer Grund: Anlagen laufen aus der Förderung nach dem EEG-Gesetz heraus, womit sich deren Laufzeiten nach dem Marktpreis richten. Wenn der Strompreis zu niedrig ist, werden die Anlagen betreiberseitig abgeregelt. Auch behördliche Auflagen (Schallschutz, Umweltschutz, Tierschutz, Stroboskopeffekt) können zu Stillständen führen. 

Oft sind aber auch sogenannte Redispatch-Maßnahmen der Netzbetreibers die Ursache, dass Windkraftanlagen abgeregelt werden müssen, wenn zuviel Energie da ist. Als „Abregelung“ wird die gezielte Drosselung der Einspeiseanlagen bezeichnet. Was verbirgt sich genau dahinter?

Windräder und Stromleitungen im Hintergrund eines Rapsfeldes

Netzeingriffe zum Schutz der Stromnetze

Als Redispatch bezeichnen Netzbetreiber Maßnahmen, bei denen sie die Einspeisung von Erzeugern gezielt anpassen, um das Stromnetz vor Überlastung zu schützen und Netzengpässe zu vermeiden.  Ziel des Redispatchs ist es also, mit Regulierung von Anlagen für eine stets ausbalancierte Stromlast im Netz zu sorgen. Dies wird vor allem lokal und regional ausgesteuert.

So kann es sein, dass in einer Region Erzeugungsanlagen, abgeschaltet werden, wenn zuviel Strom da ist und ein Netzengpass droht,  während in einer anderen Region möglicherweise gleichzeitig ein Kraftwerk hochgefahren werden muss, weil zu wenig Energie da ist.

Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen steigt mit Zunahme der erneuerbaren Energieerzeugung, die im Gegensatz zur Einspeisung aus fossilen Energieträgern schlechter vorhersagbar sind. Die Menge an Energie, die Windkraft- und Photovoltaikanlagen erzeugen, hängt nämlich stark vom Wetter und Jahreszeit ab. MITNETZ STROM arbeitet daher mit aufwendigen Prognosen für Wetter, Einspeisung und Verbrauch. 

Dabei entstehen Engpässe meist nicht im gesamten Stromnetz, sondern lokal – etwa an einzelnen Leitungen oder Umspannwerken. Strom lässt sich nicht gezielt wie Verkehr umleiten, sondern verteilt sich physikalisch im Netz. Deshalb kann es notwendig sein, Anlagen in einer Region zu drosseln, obwohl insgesamt ausreichend Netzkapazität vorhanden scheint.

So musste MITNTEZ STROM im Jahr 2026 insgesamt 1.179-mal die Einspeisung erneuerbarer Energien zeitweise reduzieren lassen, was einer abgeregelten Leistung von  192 Gigawattstunden entsprach. 

Blick auf Monitore der Schaltleitung

Die Steuerung der Energiewende – Redispatch 2.0

Seit Oktober 2021 ist in Deutschland das neue System „Redispatch 2.0“ in Kraft. Während früher vor allem große Kraftwerke im Übertragungsnetz gesteuert wurden, betrifft Redispatch heute zunehmend auch das Verteilnetz – also genau die Ebenen, an die viele Wind- und Photovoltaikanlagen angeschlossen sind.

Der Gesetzgeber reagiert damit auf die voranschreitende Energiewende: So werden nicht nur konventionelle Anlagen, sondern auch kleinere Erzeugungsanlagen und Speicher ab 100 Kilowatt in die Maßnahmen einbezogen.

Eine notwendige Änderung des bisherigen Prozesses für die Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber: Da die operativen Anforderungen steigen, ermöglicht Redispatch schließlich eine flexible und präzise Steuerung des Netzes. Mit Einführung von Redispatch 2.0 verbesserte sich auch die Datenbasis. Durch den Einsatz moderner Technologien und die Zusammenarbeit aller Akteure im Strommarkt stehen den Netzbetreibern nun noch genauere und aktuellere Daten zur Verfügung. Dies erleichtert die Planung und Durchführung der Maßnahmen erheblich.

Voraussetzung dafür ist, dass Anlagen digital angebunden und steuerbar sind. Für Netzbetreiber bedeutet das einen erheblichen Ausbau von IT-Systemen und Datenkommunikation, was einen zentralen Baustein der Energiewende ausmacht.

Flügel eines Windrads vor einer Landschaft mit viel blauem Himmel und einigen Wolken

Situation bei MITNETZ STROM

Die dynamische Entwicklung der Enerneuerbaren im Netzgebiet der enviaM-Gruppe zeigt sich auch an aktuellen Zahlen: Allein zwischen Dezember 2024 und Dezember 2025 wurden rund 27.000 neue Photovoltaikanlagen, mehr als 60 Windenergieanlagen sowie etwa 10.000 Speichermodule in die Netze integriert.

Insgesamt erreichte die installierte Leistung erneuerbarer Energien im Netzgebiet 2025 mehr als 13 Gigawatt. Damit gehört die Region zu den Vorreitern bundesweite: Der Anteil erneuerbaren am Letztverbraucherabsatz liegt bei 133 Prozent und damit deutlich über dem Branchendurchschnitt.

Parallel dazu steigt die Nachfrage nach Netzanschlüssen weiter stark an. Ende Januar 2026 lagen rund 3.100 Anschlussanfragen mit einem potenziellen Leistungsbedarf von etwa 124 Gigawatt vor – unter anderem durch Rechenzentren, Großspeicher und neue Industrieansiedlungen.

Diese Entwicklung zeigt deutlich: Die Energiewende findet zu einem großen Teil im Verteilnetz statt. Gleichzeitig erhöht die stark wachsende Einspeisung erneuerbarer Energien die Anforderungen an das Netzmanagement und macht Maßnahmen wie Redispatch weiterhin notwendig, um die Netzstabilität zu gewährleisten.

Netzeingriffe kosten Zeit und Geld

Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, investiert die MITNETZ STROM massiv in den Netzausbau: Allein im Jahr 2026 fließen rund 600 Millionen Euro in Erneuerung, Erweiterung, Instandhaltung und Betrieb der Netzinfrastruktur. Bis 2030 sind Investitionen von rund drei Milliarden Euro geplant.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Modernisierung von Umspannwerken, dem Ausbau von Hochspannungsleitungen sowie der Digitalisierung der Verteilnetze bis in die Niederspannung.

Mehr dazu:

Netzeingriffe 2025 bei MITNETZ STROM

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