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Erleichterung vs. Sorge: Wie betroffene Bürger beim Netzausbau eingebunden werden

Wenn eine neue Hochspannungsleitung geplant wird, sorgt das in den betroffenen Kommunen unweigerlich für Gesprächsstoff. Eingriffe in das Landschaftsbild und Sorgen um die Gesundheit stehen oft im Raum und entsprechende Bauprojekte werden von betroffenen Bürgern nicht selten kritisch betrachtet. Sie möchten genau wissen, was direkt vor ihrer Haustür passiert und fordern ein Mitspracherecht ein, wenn sie von äußeren Veränderungen betroffen sind.

Das gilt auch für den Neubau der Hochspannungstransferleitung zwischen Herlasgrün und Silberstraße (Teilprojekt 2 des Netzverbundes Zwickauer Land – Vogtland), den der Netzbetreiber MITNETZ STROM plant. In zwei Bauabschnitten erfolgt zum einen der Neubau einer Trasse vom Einspeisepunkt bei der Stadt Kirchberg zum Einspeisepunkt bei der Gemeinde Steinberg. Zum anderen gibt es den Ersatzneubau einer 110-kV-Hochspannungsleitung auf der bisherigen Bestandstrasse zwischen dem Umspannwerk Silberstraße und der Stadt Kirchberg.

Umso wichtiger war den Bürgern in Steinberg, Kirchberg und Crinitzberg die Gelegenheit, sich Ende Mai und Anfang Juni 2026 bei den Einwohnerversammlungen von MITNETZ STROM aus erster Hand zu informieren. Dabei setzte das Unternehmen bewusst auf Diskussionsstände mit Infotafeln statt auf reine Frontalvorträge. In dieser entspannten Atmosphäre, angereichert mit Getränken und Snacks entstand ein angeregter Austausch. Die Reaktionen der Teilnehmer zeigen ein vielschichtiges Bild: Es herrscht Erleichterung bei den einen, pragmatisches Verständnis bei den anderen, aber auch konkrete Sorge bei direkt Betroffenen, die nun vom Netzbetreiber aufgegriffen werden.

Erleichterung bei Verschonten, Lob für die Kommunikation

Für einige Anwohner brachten die vorgestellten Ergebnisse der Raumverträglichkeitsprüfung eine große Last von den Schultern. Da nun feststeht, dass die Westvariante (Korridor 1) als Vorzugskorridor weiterverfolgt wird, sind andere Gebiete aus der Planung herausgefallen. Das sorgt bei einem Teil der Bürger für Erleichterung, während sich bei anderen nun erst recht konkrete Fragen stellen.

Andrea Schmidt aus Wolfersgrün, die bereits an einer Vorveranstaltung teilgenommen hatte, berichtet erleichtert: „Wir wären bei Korridor 2 oder 3 betroffen gewesen. Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass es uns jetzt nicht betrifft“. Sie lobt das Vorgehen des Netzbetreibers ausdrücklich: „MITNETZ STROM macht das gut und ist auf unsere Belange eingegangen. Mensch und Natur – alles wird beachtet“. Auch die Kontinuität des Dialogs wird positiv bewertet. Die „Regelmäßigkeit ist gut, jeder fühlt sich mitgenommen“, so Schmidt.

Auch Bürger, die nicht direkt von diesem, aber von anderen Projekten betroffen sind, nutzten die Termine zur Informationsgewinnung. Gerhard Lieb und Mirko Tetzner, die ein Unternehmen für Lagerlogistik in Hirschfeld betreiben, waren zum ersten Mal bei einem derartigen Termin dabei. Sie wollten sehen, wie der Netzbetreiber vorgeht, und zogen ein positives Fazit: „Wir fanden die Veranstaltung richtig gut und waren positiv überrascht, da alle Fragen aufgenommen und beantwortet wurden.“

 

Pragmatismus und Bewusstsein für die Notwendigkeit

Unter den direkt Betroffenen – also jenen, die im nun festgelegten Vorzugskorridor wohnen oder wirtschaften – dominiert ein sachlicher Pragmatismus. Rajko Seifert aus Obercrinitz schildert seine Situation: „Ich bin zum ersten Mal bei solch einer Veranstaltung dabei und auch direkt betroffen. Denn der Vorzugskorridor verläuft 200 Meter von meinem Haus entfernt“.

Trotzdem zeigt er großes Verständnis für die Infrastrukturmaßnahme: „Aber wir alle brauchen Strom, deshalb habe ich dafür Verständnis. Wenn, dann habe ich lediglich optische Bedenken“. Er fühle sich gut mitgenommen und verließ die Veranstaltung mit Antworten: „Ich wollte wissen, wie sieht so ein Mast aus – jetzt weiß ich es, meine Fragen wurden alles beantwortet“. Er kündigte an, das Thema weiter zu verfolgen.

In eine ähnliche Kerbe schlägt der ehemalige Landrat des Kreises Zwickauer Land, Christian Otto: „Die Leitungen müssen kommen, ich finde es gut, dass schon am Angang möglicher Frust bei den Bürgern abgebaut wird“. Die Veranstaltung sei sehr informativ gewesen und er hoffe nun, „dass der Bau schnell losgeht“.

 

Sorgen im Detail: Landwirtschaft und Angst vor Strahlung

Wo Licht ist, ist jedoch auch Schatten. Bürger, bei denen die Leitungen sprichwörtlich eng am eigenen Lebens- oder Arbeitsraum vorbeiführen, blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Arne und Björn Hirsch aus Wolfersgrün sind durch den gewählten Korridor direkt betroffen. „Mast 38 steht dann direkt vor unserem Küchenfenster“.

Vater und Sohn seien zwar durch den Abend „schlauer geworden“, aber sie treiben dennoch tiefere Sorgen um: „Wir habe Angst vor elektromagnetischer Strahlung“. Die Hirschs hinterlassen keinen Zweifel daran, dass sie am Ball bleiben wollen: „Wir werden die Gelegenheit zur Beteiligung und zur Stellungnahme auf jeden Fall nutzen“.

Für wirtschaftliche Betroffene wie Bernd Klauß von der Lawi Agrar GmbH aus Hirschfeld steht vor allem die Nutzbarkeit seiner Flächen im Vordergrund. Als Eigentümer und Landwirt liegt sein Betrieb direkt im Korridor. Auch er lobt die Veranstaltung als „sehr transparent gestaltet“ und sieht seine Fragen beantwortet.

Für ihn beginnt die entscheidende Phase erst jetzt: „Jetzt wird die Feinplanung interessant. Uns geht es um die Abstandsflächen, damit wir genügend Platz haben, um mit unserer Technik zu arbeiten und wenden können“. Wie viele andere Teilnehmer auch, zieht er das Fazit, aktiv zu bleiben: Er werde sich am weiteren Verfahren beteiligen und künftige Vor-Ort-Termine wahrnehmen.

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