Anwendergemeinschaft für intelligente Messsysteme feiert 50. Jubiläum

Die „Anwendergemeinschaft für intelligente Messsysteme“ (AWG) feierte am 17. September 2026 in Markkleeberg ihre 50. Veranstaltung. Seit ihrer Gründung durch MITNETZ STROM im Jahr 2015 hat sie sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt und zählt mittlerweile 60 Mitglieder wie Stadtwerke, Netzbetreiber und weitere Unternehmen der Energie- und Infrastrukturbranche. Die Mitgliedsunternehmen der AWG betreuen insgesamt mehr als drei Million Zählpunkte und damit gut 30% aller Stromzähler in Ostdeutschland. Gemeinsam arbeiten sie an der praktischen Umsetzung des Smart-Meter-Rollouts und beschäftigen sich mit den Anforderungen an Digitalisierung und Flexibilisierung der Energiewende.
Dank des engagierten Zusammenwirkens aller Beteiligten hat sich die Anwendergemeinschaft seit ihrer Gründung erfolgreich entwickelt und etabliert. Im Interview berichtet Raimund Brückner, Referent Mess- und Zähldienste bei MITNETZ STROM, stellvertretend für das Team über die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe dieses gemeinsamen Erfolgs.
Was war die Idee hinter der Gründung der Anwendergemeinschaft?
"Als die Anwendergemeinschaft 2015 ins Leben gerufen wurde, stand die Energiewirtschaft an einem entscheidenden Punkt. Es war bereits absehbar, dass intelligente Messsysteme und die Digitalisierung des Messwesens eine zentrale Rolle für die Energiewende spielen würden. Gleichzeitig waren viele regulatorische, technische und prozessuale Rahmenbedingungen noch ungeklärt.
Zahlreiche Netzbetreiber und Messstellenbetreiber standen vor denselben Fragen: Welche technischen Lösungen werden sich durchsetzen? Welche regulatorischen Anforderungen kommen auf uns zu? Und wie lassen sich die neuen Prozesse wirtschaftlich und praxistauglich umsetzen? Das spätere Messstellenbetriebsgesetz trat erst 2016 in Kraft, die konkreten Anforderungen an den Smart-Meter-Rollout wurden damals noch intensiv diskutiert.
Die Idee hinter der Gründung der Anwendergemeinschaft war daher, eine Plattform für den fachlichen Austausch und die gegenseitige Unterstützung zu schaffen. Gemeinsam wollten wir die anstehenden Herausforderungen frühzeitig verstehen, Erfahrungen bündeln und praxistaugliche Lösungen entwickeln. Alle Mitglieder der AWG können so auf erarbeitetes Know-how und Lösungsansätze zurückgreifen und die komplexen Anforderungen des Smart-Meter deutlich effizienter zu bewältigen."

50 Veranstaltungen sind eine beeindruckende Zahl: was macht die Gemeinschaft so erfolgreich?
"Der Erfolg der Anwendergemeinschaft liegt vor allem darin, dass sie sich zum einen konsequent an den praktischen Herausforderungen ihrer Mitglieder orientiert. Beim Smart Meter Rollout stehen viele Unternehmen vor ähnlichen technischen, regulatorischen und organisatorischen Fragestellungen. In der AWG müssen Lösungen nicht von jedem Unternehmen einzeln entwickelt werden, sondern können gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt werden. Zum anderen kann sich jedes Mitglied gleichberechtigt in die Gemeinschaft einbringen, unabhängig von seiner Größe. Das wirkt sich sehr positiv auf die Zusammenarbeit aus.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der kontinuierliche Wissensaustausch. In den Veranstaltungen berichten die Teilnehmer regelmäßig über ihre Erfahrungen aus laufenden Projekten und geben Einblicke in erfolgreich umgesetzte Prozesse. Dadurch profitieren alle Mitglieder unmittelbar von den Erkenntnissen der anderen. Neue Anforderungen, Produktentwicklungen oder regulatorische Veränderungen können so frühzeitig bewertet und gemeinsam eingeordnet werden.
Nicht zuletzt ist über die Jahre ein starkes Netzwerk entstanden. Viele Teilnehmer begleiten die AWG bereits seit langer Zeit. Das schafft Vertrauen und ermöglicht einen ehrlichen Austausch auch über Herausforderungen und Fehler. Genau diese Kombination aus Praxisnähe, gegenseitigem Lernen und persönlicher Vernetzung macht die Gemeinschaft seit inzwischen 50 Veranstaltungen erfolgreich."
Was sind die aktuellen Herausforderungen, denen die teilnehmenden Netzbetreiber gegenüberstehen?
"Aktuell stehen die teilnehmenden Netzbetreiber vor mehreren zentralen Herausforderungen. An erster Stelle steht die Erfüllung der gesetzlichen Einbauquoten für intelligente Messsysteme. Der Smart-Meter-Rollout muss mit Blick auf die ambitionierten Vorgaben bis 2032 deutlich beschleunigt werden, während gleichzeitig hohe regulatorische Anforderungen erfüllt sowie wirtschaftliche und operative Prozesse effizient gestaltet werden müssen. Engpässe bei Geräten und Montagekapazitäten erschweren die Umsetzung zusätzlich.
Zunehmend in den Fokus rückt zudem die Umsetzung der netzdienlichen Steuerung nach § 9 EEG und § 14a EnWG. Netzbetreiber und Messstellenbetreiber müssen die technischen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen, um sowohl Erzeugungsanlagen als auch steuerbare Verbrauchseinrichtungen zuverlässig und sicher steuern zu können. Dies erfordert eine enge Verzahnung von Messwesen, Netzbetrieb und IT-Systemen.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, die notwendige Flexibilität für ein zunehmend dezentrales Energiesystem nutzbar zu machen. Aus Sicht von Netz- und Messstellenbetreibern geht es dabei darum, Verbrauchs- und Einspeiseverhalten transparenter zu gestalten, Flexibilitätspotenziale zu erschließen und diese netzdienlich einzusetzen. Intelligente Messsysteme bilden hierfür die Grundlage, denn sie ermöglichen erst die sichere Kommunikation, Steuerung und Integration flexibler Verbraucher und Erzeuger. Nur so können Netzengpässe vermieden, der Netzausbau gezielt unterstützt und die Energiewende effizient umgesetzt werden.
Gerade bei diesen komplexen Fragestellungen profitieren die Mitglieder der Anwendergemeinschaft vom gemeinsamen Erfahrungsaustausch und von den bereits gewonnenen Erkenntnissen aus der praktischen Umsetzung."
