Warum soll die Trasse gebaut werden?
Ziel ist es, einen Ringschluss aufzubauen, um auch in Zukunft die Versorgungs- und Netzsicherheit in der Region zu gewährleisten. Mit diesem Netzausbau wird zugleich das Verteilnetz auf die Energiewende vorbereitet, um mehr Strom aus erneuerbaren Energien transportieren zu können und die Versorgungssicherheit in der Region zu sichern.
Was genau bedeutet Versorgungssicherheit im Zusammenhang mit dem Vorhaben?
Anstelle der bislang bestehenden einzelnen Leitung zwischen den Umspannwerken Herlasgrün und Silberstraße, die bereits 100 Jahre besteht, soll der Strom künftig über zwei Hochspannungsleitungen fließen können. So können sowohl das Umspannwerk Herlasgrün und die darüber verbundene Region als auch die Umspannwerke in Reichenbach, Werdau/Süd, Falkenstein, Gospersgrün, Auerbach/Vogtland, Zwickau/Sachsenring und Schönheide in Zukunft bei Ausfällen noch sicherer und zuverlässiger versorgt werden. Bei Störungen an einer der Leitungen kann die andere Leitung problemlos deren Aufgaben übernehmen.
Der Ringschluss sieht zwei Teilprojekte vor:
Zum einen die Nord-Verbindung der Umspannwerke Crossen und Herlasgrün durch eine 110 kV– Doppelleitung. Um die Verbindung zu finalisieren, steht die Genehmigung des Bauabschnitts 3 bislang noch aus, der zukünftig Oberplanitz mit Reichenbach verbinden wird. Die Unterlagen zur Planfeststellung wurden im November 2022 eingereicht.
Um den Ringschluss zu vervollständigen, plant MITNETZ STROM zum anderen, die Hochspannungsleitung im Süden in zwei Bauabschnitten neu zu bauen bzw. zu ersetzen. Im ersten Bauabschnitt (in der rechten unteren Abbildung rot) soll eine neue Hochspannungsleitung von Steinberg nach Kirchberg geschaffen werden. Im zweiten Bauabschnitt (in der rechten unteren Abbildung gelb) erfolgt ein Ersatzneubau auf vorhandener Trasse zwischen dem Ende des ersten Bauabschnittes und dem Umspannwerk Silberstraße.

Warum wird nicht einfach die aktuelle Leitung zwischen Herlasgrün und Silberstraße weiterhin genutzt?
Die Hochspannungsleitung, die Herlasgrün und Silberstraße aktuell verbindet, wurde 1922 bis 1924 gebaut. Einige der Masten haben mit 100 Jahren ihr maximales Nutzungsalter erreicht und sind in einem nachweislich schlechten Zustand. Aktuell müssen bereits betriebsbedingte Instandhaltungen durchgeführt werden, um die Trasse bis zu ihrer Ablösung in einem technisch sicheren Zustand zu halten.
Selbst für eine weitere Nutzung der aktuellen Hochspannungsleitung müsste diese so grundlegend saniert werden, dass es einem Neubau gleichkommt.
Durch die Verschiebung der Trassenführung Richtung Süd-Osten können darüber hinaus in Zukunft noch mehr Gemeinden sicher über zwei Richtungen mit Strom versorgt werden.
Wie ist der Planungsstand des Projekts?
Das Planungsvorhaben steht ganz am Anfang. Bislang stehen weder der genaue Trassenkorridor noch die konkrete technische Lösung fest. Die neu entstehende Transferleitung besteht aus zwei Bauabschnitten, die sich im weiteren Planungsverlauf im Ablauf unterscheiden werden:
Der Bauabschnitt 1 (in der oberen Darstellung rot) ist als Neubau geplant. Die nördliche Einbindung ist in der Ortslage Wolfersgrün vorgesehen. Für diesen Bauabschnitt stehen derzeit (Stand Dezember 2022) weder ein konkreter Trassenkorridor noch eine technische Lösung fest. Mögliche Trassenkorridore sollen in Abstimmung mit den Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern von Kommunen und Trägern öffentlicher Belange gefunden werden. Der Neubautrassenabschnitt muss zunächst ein Raumordnungs- und später ein Planungsfeststellungsverfahren durchlaufen.
Der Bauabschnitt 2 (in der oberen Darstellung gelb) ist als Ersatzneubau auf gleicher Trasse vorgesehen. Neue Masttypen ermöglichen längere Spannfelder, wodurch die Anzahl der Masten reduziert werden kann. Dadurch können sich allerdings an einzelnen Stellen die Maststandorte ändern. Für diesen Trassenabschnitt plant MITNETZ STROM eine Baugenehmigung zu beantragen.

In welchem Zeitrahmen soll die Trasse geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden?
Aufgrund des Zustands der alten Leitung ist eine zeitnahe Umsetzung des Projekts wichtig.
Für Projektvorhaben dieser Größe bedeutet das:
- 2023 Strategische Umweltprüfung / Raumwiderstandsanalyse im Untersuchungsraum
- 2024: Einreichung möglicher Trassenkorridore in das Raumordnungsverfahren
- 2026/2027: Einreichen der technischen Lösung der Vorzugstrasse in das Planfeststellungsverfahren
- 2028/2029: Baubeginn
- 2029: Inbetriebnahme der Leitung.
Welche Auswirkungen hat der erhöhte Elektrizitätsbedarf auf die Notwendigkeit der Trasse?
Der Hauptgrund für den Leitungsbau ist eine deutliche Erhöhung der Versorgungssicherheit für alle Netzkunden in der Region.
Durch den Ausbau des Netzes und die dadurch verbesserte Versorgungssicherheit wird die weitere Entwicklung und der technische Fortschritt der Region vorangebracht. In der Entwicklung der Region werden beispielsweise das Thema Elektromobilität und die Elektrifizierung von Gebäudeheizungen eine Rolle spielen.
Steht die Trassenplanung im Zusammenhang mit den neuen Nord-Süd-Verbindungen des Übertragungsnetzes?
Nein. Das nationale Übertragungsnetz, wird auf einer Spannungsebene von 220 und 380 Kilovolt (kV) betrieben. Die Leitung zwischen Herlasgrün und Silberstraße ist auf 110 kV ausgelegt und gehört in dieser Spannungsebene zum Verteilnetz.
Die Leitung sorgt durch eine sichere Verbindung zum Übertragungsnetz dafür, dass die Regionen Zwickau, Vogtland und Erzgebirge sicher mit Strom versorgt werden.

Ist die Leitung notwendig, um wirtschaftliches Wachstum in der Region zu ermöglichen?
Der Hauptgrund für den Leitungsbau ist die deutliche Erhöhung der Versorgungssicherheit für alle Netzkunden in der Region. Ein starkes, sicheres Netz kommt jedoch auch der heimischen Wirtschaft sowie künftigen Ansiedelungen zugute. Zudem schafft der Netzausbau Kapazitäten für die Umsetzung der Energiewende, zum Beispiel für die Einspeisung von Erneuerbaren Energien und ein Plus an Leistungsfähigkeit in den Bereichen E-Mobilität und Wärmeerzeugung.
Warum wurde das Projekt 2016 pausiert?
Die Planung des Projekts begann bereits 2010. Aufgrund von Widerständen und Unsicherheiten in der Planung der Schwesterleitung zwischen Crossen und Herlasgrün und bei dem verwandten Netzvorhaben „Vogtlandring“ wurde das Projekt jedoch vor der Einreichung der Unterlagen in das Raumordnungsverfahren 2016 vorübergehend pausiert.
Hintergrund: Gegen die Genehmigung für den Vogtlandring, ein Vorhaben, welche das Stromnetz im südlichen Vogtland mit einem Hochspannungsleitungsring absichern sollte, wurde 2017 Klage eingereicht.
Da das Netzkonzept Zwickau-Vogtland, welches alle drei Leitungsvorhaben beinhaltet, genau abgestimmt ist, können Veränderungen bei einem Leitungsvorhaben große Auswirkungen auf das gesamte Netzkonzept haben. Die Unsicherheiten bezüglich der Genehmigung führten dazu, dass die beiden 110-kV-Schwesterprojekte, Crossen-Herlasgrün und Herlasgrün-Silberstraße für die Ableitung weiterer Maßnahmen ausgesetzt wurden.
Das Verfahren am Oberverwaltungsgericht Bautzen dauerte etwa drei Jahre und hatte zum Ergebnis, dass die Leitung nicht wie geplant umgesetzt werden durfte. Nach einer Anpassung des Netzkonzeptes wurde 2020 der Prozess am Schwesterprojekt Crossen-Herlasgrün wieder aufgenommen.
Nachdem das Vorhaben 110-kV-Leitung Crossen-Herlasgrün, Bauabschnitt 3, sich nun im Planfeststellungsverfahren befindet, hat MITNETZ STROM das Trassenvorhaben zwischen Herlasgrün und Silberstraße wieder aufgenommen.
Was genau bedeutet „Rückbau der Bestandstrasse“?
Durch den 110-kV-Leitungsneubau zwischen Wolfersgrün und Steinberg werden die beiden bestehenden 110-kV-Leitungen (Herlasgrün-Silberstraße und Herlasgrün-Schönheide) verbunden. Ab dem Punkt der Einbindung in die Neubauleitung auf Höhe Wolfersgrün wird die alte 110-kV-Bestandstrasse zwischen Herlasgrün und Silberstraße nicht mehr gebraucht und vollständig abgebaut. Das heißt, Masten und Seile werden entfernt und die Fläche kann wieder wie vor dem Leitungsbau genutzt werden.
Wie ist der Zeitplan für den Rückbau der Bestandstrasse von Herlasgrün nach Silberstraße?
Sobald die 110-kV-Leitung zwischen Crossen und Herlasgrün in Betrieb genommen wurde, wird die alte Trasse zwischen Herlasgrün und Silberstraße vom Netz genommen.
So können die Arbeiten am Trassenabschnitt von Silberstraße nach Wolfersgrün ohne weitere Einschränkungen des Netzbetriebes problemlos ausgeführt werden.
Parallel dazu wird mit dem Rückbau des Leitungsabschnitts von Wolfersgrün nach Herlasgrün begonnen.
Nach aktuellem Planungsstand kann 2029 mit einer Inbetriebnahme der durchgehenden Leitung zwischen Herlasgrün und Silberstraße gerechnet werden.